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3a. Diagnostik, Schweregradeinteilung und Differenzialdiagnose der COPD


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3. Diagnostik, Schweregradeinteilung und Differenzialdiagnose der COPD

[Hintergrund und Evidenz]

Diagnostik der stabilen COPD

Bei Erhebung der Anamnese sollte gezielt gefragt werden nach:
  • Husten;
  • Auswurf;
  • Atemnot unter Belastung;
  • Rauchgewohnheit (80 % der COPD-Patienten sind Raucher oder Exraucher);
  • inhalative Belastung am Arbeitsplatz;
  • Anzahl der Exazerbationen/Jahr;
  • Komorbidität;
  • Gewichtsverlust. 
Im körperlichen Untersuchungsbefund sollte dokumentiert werden:
  • pathologische Geräusche/Nebengeräusche;
  • verlängerte Exspirationsdauer.

In fortgeschrittenen Stadien:

  • Lippenzyanose;
  • periphere Ödeme;
  • pulmonale Kachexie. 
Bei Patienten mit V. a. COPD sollte eine Spirometrie durchgeführt werden:
  • forciertes exspiratorisches Volumen in der ersten Sekunde (FEV1);
  • inspiratorische Vitalkapazität (VK);
  • Verhältnis FEV1/VK ist < 70 %;
  • Reversibilitätstest zum Nachweis einer reversiblen Obstruktion (Asthma) mit:
    • Bronchodilatatoren: Zunahme der FEV1 (Δ FEV1) 15 bzw. 30 Minuten nach Gabe eines Beta-2-Sympathomimetikums bzw. Anticholinergikums um weniger als 15% des Ausgangswertes und weniger als 200 ml,
    • Corticosteroide: Δ FEV1 < 15% nach 20-40 mg Prednisolonäquivalent/Tag oral über 2-3 Wochen oder inhalativ 1000 µg Beclomethasonäquivalent/Tag über 4 Wochen. 
Laboruntersuchungen:
  • Bei Exazerbationen ist die Bestimmung des Blutbildes und des CRP sinnvoll.
  • Bei Patienten mit Zeichen eines Lungenemphysems im Alter unter 45 Jahren sollte eine gezielte Untersuchung bezüglich eines Alpha-1-Protease-Inhibitor-Mangels durchgeführt werden. 
Eine Blutgasanalyse sollte bei V.a. respiratorische Insuffizienz erfolgen:
  • respiratorische Partialinsuffizienz: Erniedrigung des arteriellen O2-Partialdruckes (< 60 mmHg);
  • Globalinsuffizienz: zusätzlich Erhöhung des arteriellen CO2 Partialdruckes (> 45 mmHg). 
Weitere diagnostische Maßnahmen und Verfahren sind:
  • Röntgenaufnahme der Thoraxorgane in 2 Ebenen bei Diagnosestellung, zur Differenzialdiagnose und zur Erfassung von Emphysemblasen;
  • Ganzkörperplethysmographie;
  • CO-Diffusionskapazität;
  • Belastungstests;
  • krankheitsspezifischer Fragebogen zur Lebensqualität (z. B. SGRQ).

Schweregrad-Einteilung der stabilen COPD 

Die Schweregrad-Einteilung der stabilen COPD erfolgt mittels FEV1 Werten (% vom Soll), gemessen nach Gabe eines Bronchodilatators (nach Global Initiative for Obstructive Lung Disease, GOLD 2004).
Schweregrad Charakteristik 
0 (Risikogruppe)
  • normale Spirometrie;
  • chronische Symptome (Husten, Auswurf). 
I (leichtgradig) 
  • FEV1 >= 80 % Soll;
  • FEV1/VK < 70 %;
  • mit oder ohne chronische Symptome (Husten, Auswurf, Dyspnoe – evtl. bei starker körperlicher Belastung). 
II (mittelgradig)
  • 50 % <= FEV1 < 80 % Soll;
  • FEV1/VK < 70 %;
  • mit oder ohne chronische Symptome (Husten, Auswurf, Dyspnoe). 
III (schwer) 
  • 30 % <= FEV1 < 50 % Soll;
  • FEV1/VK < 70 %;
  • mit oder ohne chronische Symptome (Husten, Auswurf, Dyspnoe). 
IV (sehr schwer)
  • FEV1 < 30 % Soll oder FEV1 < 50 % Soll mit chronischer respiratorischer Insuffizienz;
  • FEV1/VK < 70 %. 
FEV1: forciertes expiratorisches Volumen in einer Sekunde (Einsekundenkapazität);
VK: inspiratorische Vitalkapazität;
respiratorische Insuffizienz: arterieller O2-Partialdruck unter 60 mmHg mit oder ohne arteriellen CO2-Partialdruck über 50 mmHg bei Atmen von Raumluft auf Meeresniveau. 

Differenzialdiagnose 

Bei der Differenzialdiagnose der Obstruktion sollten unter anderem folgende Erkrankungen berücksichtigt werden:

  • Asthma;
  • Bronchiektasie;
  • zystische Fibrose;
  • diffuse Lungenparenchymerkrankungen mit Obstruktion;
  • Bronchialwandinstabilität;
  • konstriktive Bronchiolitis obliterans (z. B. nach inhalativen Intoxikationen);
  • extrathorakale Obstruktion (Larynx, Trachea);
  • Tumoren im Bereich der Atemwege;
  • Lungenstauung mit Atemwegsobstruktion.

Merkmal

COPD

Asthma

Alter bei Erstdiagnose Meist 6. Lebensdekade. Meist Kindheit, Jugend.
Tabakrauchen Überwiegend Raucher. Kein Kausalzusammenhang.
Atemnot Bei Belastung. Anfallsartig auftretend.
Allergie Selten. Häufig.
Reversibilität der Obstruktion Nicht voll reversibel, progredient. Gut reversibel: Δ FEV1 > 15 %, variabel, episodisch.
Ansprechen auf Corticosteroide Gelegentlich. Regelhaft vorhanden.

Zuletzt geändert: 21.12.2006
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