9. Therapie der akuten Exazerbation
9. Therapie der akuten Exazerbation
|
|
[Hintergrund und Evidenz]
|
|

|
|
Abbildung 2: Management der Exazerbation der COPD
|
Differenzialindikation zur stationären Therapie/intensivmedizinischen Versorgung
|
| Folgende Kriterien sind bei der Indikationsstellung für eine stationäre bzw. intensivmedizinische Behandlung bei Patienten mit COPD-Exazerbation zu berücksichtigen: |

|
|
Stationäre Behandlung
|
Aufnahme auf die Intensivstation
|
- schwere Atemnot;
- schlechter Allgemeinzustand;
- rasche Progredienz der Symptomatik;
- Bewusstseinstrübung;
- Zunahme von Ödemen und Zyanose;
- kein Ansprechen auf die Therapie;
- diagnostische Unklarheiten;
- bedeutsame Komorbidität;
- höheres Lebensalter;
- unzureichende häusliche Betreuung.
|
- schwere Atemnot mit fehlendem Ansprechen auf die Notfalltherapie;
- komatöser Zustand;
- ersistierende Hypoxämie (paO2 < 50 mmHg) trotz O2-Gabe;
- schwere oder progrediente Hyperkapnie (paCO2 > 70 mmHg);
- respiratorische Azidose (pH < 7,35);
- Kreislaufinsuffizienz.
|
Medikamentöse Therapie der Exazerbation
|
- Bei Exazerbation soll die Therapie mit Bronchodilatatoren intensiviert werden (z. B. initial 1-2 Hübe eines raschwirksamen Beta-2-Sympathomimetikums und 2 Hübe eines raschwirksamen Anticholinergikums alle 10 bis 15 Minuten).
- Zugelassene Medikamentendosen können in Einzelfällen situationsabhängig überschritten werden. In hohen Dosen nimmt die Nebenwirkungsrate des jeweils eingesetzten Pharmakons zu (z. B. Herzrhythmusstörungen, Tremor, Unruhezustände bei Beta-2-Sympathomimetika oder Theophyllin).
|

|
- Theophyllin sollte auch bei Exazerbation erst nach Gabe von Anticholinergika, Beta-2-Sympathomimetika und systemischen Corticosteroiden eingesetzt werden.
|

|
- Eine Gabe systemischer Corticosteroide (20-40 mg Prednisolonäquivalent pro Tag) soll maximal für 14 Tage erfolgen, denn eine längere Behandlung bringt keine zusätzlichen Vorteile.
|

|
- Antibiotika sollten nur bei Verdacht auf einen bakteriellen Infekt gegeben werden, der eher wahrscheinlich ist bei vermehrtem Sputumvolumen und Purulenz.
|

|
Sauerstoff-Behandlung
|
| Der PaO2 soll ³ 60 mmHg betragen und wird über Blutgasanalysen eingestellt. Ein Anstieg des pCO2 ohne Bewusstseinstrübung ist in der Regel klinisch unbedeutend. |

|
Beatmung
|
|
Die Indikation zur Beatmung besteht unter Beachtung des klinischen Bildes bei:
- Exazerbationen mit respiratorischer Insuffizienz;
- unbekannten COPD-Patienten: PaO2 < 60 mmHg und pCO2 > 50 mmHg unter O2-Zufuhr bzw. bei pH < 7,35;
- bekannter respiratorischer Insuffizienz: PaO2 < 50 mmHg und PaCO2 > 70 mmHg und pH < 7,35.
|

|
- Als bevorzugte Form der Beatmung wird die nichtinvasive Beatmung (NIPPV, non-invasive positive pressure ventilation) über eine Maske empfohlen. Falls keine Ausschlusskriterien für die NIPPV vorliegen, ersetzt sie in 75-80 % der Fälle die Intubation.
- Invasive Beatmung ist indiziert bei Patienten, die für eine nichtinvasive Beatmung ungeeignet sind oder falls die nichtinvasive Beatmung nicht innerhalb von zwei Stunden zu einer Besserung führt.
|

|
|
Im Vergleich zur invasiven Beatmung mit Intubation
- verkürzt die nichtinvasive Beatmung mit positivem Druck (NIPPV) die Entwöhnungszeit;
- reduziert den Aufenthalt auf der Intensivstation;
- führt zu einer Reduktion der Häufigkeit nosokomialer Pneumonien und
- verbessert die Prognose während eines Beobachtungszeitraums von 60 Tagen.
|

|
Betreuung des Patienten nach akuter Exazerbation
|
- Vor Entlassung aus stationärer Behandlung soll der COPD-Patient einen schriftlichen Medikamentenplan erhalten und die Inhalationstechnik ausreichend eingeübt haben.
- Die Indikation zur Anschlussrehabilitation (Anschlussheilbehandlung) bzw. ambulanten rehabilitativen Maßnahmen, und/oder Langzeit-Sauerstoff-Therapie soll geprüft und diese organisatorisch vorbereitet werden.
- Behandlungsempfehlungen sind schriftlich zu fixieren.
|

|
Zuletzt geändert:
21.12.2006