III. Quellen/Auswahl und Bewertung der NVL-Empfehlungen
Entsprechend dem grundsätzlichen Vorgehen im Programm für NVL und den internationalen Bemühungen zur Kooperation und Arbeitsteilung im Bereich der Leitlinienentwicklung [8] entschloss sich die Leitliniengruppe aufbereitete Evidenzdarlegungen aus internationalen evidenzbasierten Leitlinien aus dem In- und Ausland zu nutzen, in denen konsentierte Themenbereiche und Fragestellungen adressiert wurden. Inhaltliche Grundlage dieser Empfehlungen sind nachstehend genannte Quell-Leitlinien:
- ACC/AHA 2002 Guideline Update for the Management of Patients With Chronic Stable Angina: A report of the American College of Cardiology/ American Heart Association Task Force on Practice Guidelines [9; 10; 11; 12; 13].
- Leitlinie zur Diagnose und Behandlung der chronischen koronaren Herzerkrankung (2003) der Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung (DGK) in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR) und der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) [14].
- Koronare Herzkrankheit - Empfehlungen zur Prophylaxe und Therapie der stabilen koronaren Herzkrankheit in der Reihe Arzneiverordnungen in der Praxis 2004, Therapieempfehlungen der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft [15].
Auswahl der Leitlinien:
Die Auswahl der Leitlinien erfolgte auf der Grundlage einer systematischen Leitlinien-Recherche. Die für den Clearingbericht KHK durchgeführte Recherche wurde analog der Vorgehensweise im Clearingverfahren aktualisiert [16].
Von der NVL-Gruppe wurden die Qualitätskriterien des Clearingverfahrens als Qualitätsmerkmale akzeptiert, welche eine Leitlinie erfüllen sollte, um als Quell-Leitlinie dienen zu können. Besonderer Wert wurde dabei auf eine systematische Entwicklung und nachvollziehbare Evidenzbasierung der abgegebenen Empfehlungen gelegt.
Adaptation der Quell-Leitlinie:
Die Methodik der Adaptation orientierte sich an der Vorgehensweise z. B. der New Zealand Guidelines Group von 2001 zur Adaptation nationaler Leitlinien [17] und an weiteren Projekten zur Leitlinien Adaptation [18; 19; 20].
Entsprechend den inhaltlichen Anforderungen der einzelnen Kapitel der NVL KHK wurden die aufgeführten Leitlinien als Quell- und Referenz-Leitlinien verwendet. Wenn möglich wurde eine Gegenüberstellung der Empfehlungen und der begründenden Literatur in Form einer Leitlinien-Synopse erstellt. Wenn erforderlich, wurde eine zusätzliche Literaturrecherche und Auswertung der Literatur vorgenommen. Einzelne Kapitel wurden vollständig neu erstellt. Zur Vorgehensweise in den einzelnen Kapiteln siehe Tabelle 1.
Bereits bei der ersten Durchsicht der Quell-Leitlinien waren folgende Punkte aufgefallen, die der Ergänzung bedurften:
- Epidemiologe der KHK-Problematik in Deutschland;
- Aussagekräftige Instrumente zur Prognoseermittlung bei der chronischen KHK;
- Deutsche Spezifika der (nichtinvasiven und invasiven) KHK-Diagnostik;
- Überprüfung der Empfehlungen hinsichtlich der interventionellen Therapie bzw. der operativen Revaskularisation;
- Aspekte des Risikomanagements und der Arzneimittelversorgung in Deutschland;
- Versorgungskoordination im deutschen Gesundheitssystem mit Berücksichtigung der Langzeitbetreuung;
- Aspekte des deutschen Rehabilitationssystems;
- Qualitätsförderung und Qualitätsmanagement im deutschen Gesundheitssystem.
Tabelle 1: Kurzdarstellung Vorgehensweise/Empfehlungsbegründung
| Kapitel-Nr. | Kapitel-Überschrift | Anzahl der graduierten Empfehlungen | Primärer Leitlinienbezug | Besonderheiten |
|
1 |
Hintergrund |
0 |
||
|
2 |
Definition und Therapiezeile |
0 |
[15] |
|
|
3 |
Epidemiologie |
0 |
||
|
4 |
Schweregrade und Klassifizierung |
0 |
||
|
5 |
Prognose und Risikostratifizierung |
0 |
Auswertung Primärstudien, Evidenztabellen |
|
|
6 |
Basisdiagnostik |
0 |
||
|
7 |
Spezielle Diagnostik - Nichtinvasive Verfahren – Indikationen |
22 |
Algorithmus neu, |
|
|
8 |
Differenzialdiagnose |
0 |
[14] |
|
|
9 |
Invasive Diagnostik: Indikationen |
5 |
LL-Synopsen |
|
|
10 |
Risikofaktoren-Management, Prävention |
20 |
Auswertung Primärstudien, Evidenztabellen, Darlegung kontroverser Interpretationen |
|
|
11 |
Medikamentöse Therapie |
15 |
[15] |
Ergänzende Recherche SR |
|
12 |
Revaskularisations-Therapie |
6 |
Auswertung Primärstudien, Evidenztabellen, |
|
|
13 |
Rehabilitation |
13 |
LL - Übersicht |
|
|
14 |
Hausärztliche Langzeitbetreuung |
9 |
Auswertung Primärstudien |
|
|
15 |
Versorgungskoordination |
0 |
||
| Summe |
90 |
Evidenz- und Empfehlungsgrade
Die vorliegende VersorgungsLeitlinie orientiert sich in der Vergabe von Empfehlungsgraduierungen am Schema des Scottish Intercollegiate Guidelines Network zur Graduierung der Evidenz [21] (http://www.sign.ac.uk/).
Tabelle 2: Evidenzgraduierung der NVL KHK
| 1++ | Qualitativ hochstehende systematische Übersichtsarbeiten von randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) oder RCTs mit sehr geringem Bias-Risiko |
| 1+ | Gut durchgeführte systematische Übersichtsarbeiten von RCTs oder RCTs mit geringem Bias-Risiko |
| 2++ | Qualitativ hochstehende systematische Übersichten über Fall-Kontroll- oder Kohorten-Studien. Qualitativ hochstehende Fall-Kontroll- oder Kohorten-Studien mit sehr niedrigem Störgrößen- (Confounder-) oder Bias-Risiko und hoher Wahrscheinlichkeit für ursächliche Zusammenhänge |
| 2+ | Gut durchgeführte Fall-Kontroll- oder Kohorten-Studien mit niedrigem Störgrößen-(Confounder-) oder Bias-Risiko und mäßigem Risiko nicht ursächlicher Zusammenhänge |
| 3 | Nicht analytische Studien, z. B. Fallstudien, Fallserien |
| 4 | Expertenmeinung |
Die Evidenzgraduierung der aus den Quell-Leitlinien übernommenen Literatur wurde nicht verändert.
Tabelle 3: Einstufung von Leitlinienempfehlungen in Empfehlungsgrade (Grades of Recommendation)
|
Empfehlungsgrad |
Beschreibung |
Symbol |
Evidenzgrad |
|
A |
Starke Empfehlung |
|
1 |
|
B |
Empfehlung |
|
2 |
|
0 |
Empfehlung offen |
|
3/4* |
*Auf eine explizite Darstellung der Evidenzgrade der zu Grunde liegenden Literatur wurde auf Grund der Heterogenität der in den Quell-Leitlinien verwendeten Hierarchiesysteme verzichtet. Das in Tabelle 5 dargestellte Grundprinzip fand jedoch, bis auf entsprechend gekennzeichnete Ausnahmen, Beachtug bei der Graduierung der Empfehlungen.
Die in der NVL KHK verwendeten Empfehlungsgrade orientieren sich, wie im aktuellen Methodenreport zum Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien beschrieben [1], an der Einteilung nach GRADE [22].
Die Vergabe der Empfehlungsgrade berücksichtigt dabei neben der zugrunde liegenden Evidenz, z. B. ethische Verpflichtungen, klinische Relevanz der Effektivitätsmaße der Studien, Anwendbarkeit der Studienergebnisse auf die Patientenzielgruppe und die Umsetzbarkeit im ärztlichen Alltag [2].
Die NVL-Methodik sieht die Vergabe von Empfehlungsgraden durch die LL-Autoren im Rahmen eines formalen Konsensusverfahrens vor.
Dementsprechend wurde ein mehrteiliger Nominaler Gruppenprozess [23; 24; 25] moderiert von Frau PD Dr. Kopp (AWMF), zwischen dem 22.03.2005 und dem 04.07.2005 durchgeführt. An diesem Prozess nahmen die benannten Vertreter aller an der Erstellung beteiligten Fachgesellschaften teil. Jeder Fachgesellschaft stand im Abstimmungsverfahren jeweils eine Stimme zur Verfügung. Waren mehrere Vertreter einer Fachgesellschaft anwesend, war der Leitlinienautor stimmberechtigt, der sich nach eigenem Ermessen mit seinen Vertretern intern besprechen und vorabstimmen konnte.
Tabelle 4: Themen des strukturierten Konsensverfahrens
|
Kapitel |
Moderation |
Datum |
Ort |
|
Kap. 9 Invasive Diagnostik: Indikationen |
Frau PD Dr. Kopp (AWMF) |
22.03.2005 | Frankfurt a.M. |
|
Kap. 7 Spezielle Diagnostik, Nichtinvasive Verfahren |
PD Dr.rer.physiol. H. Sitter (AWMF) |
17.05.2005 | Frankfurt a.M. |
|
Kap. 7 Spezielle Diagnostik, Nichtinvasive Verfahren |
Frau PD Dr. Kopp (AWMF) |
04.07.2005 | Berlin |
Der Ablauf erfolgte in 6 Schritten:
- Stille Durchsicht des Leitlinienmanuskripts und
- Gelegenheit zu Notizen zu den Schlüsselempfehlungen und der vorgeschlagenen Graduierung;
- Registrierung der Stellungnahmen und Alternativvorschläge zu allen Empfehlungen im Einzel-Umlaufverfahren durch die Moderatorin, dabei Rednerbeiträge nur zur Klarstellung;
- Vorherabstimmung aller Empfehlungsgrade und der genannten Alternativen;
- Diskussion der Punkte, für die im ersten Durchgang kein "starker Konsens" erzielt werden konnte;
- Endgültige Abstimmung.
Die Empfehlungen wurden ganz überwiegend im "starken Konsens" (mit einer Zustimmung von mehr als 90%) verabschiedet. Die Ergebnisprotokolle der Sitzungen können unter versorgungsleitlinien@azq.de angefordert werden.
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